Piz Bernina

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Piz Bernina
4049 m.ü.M.
Besteigung: 12. Juli 2003
Route: Bianco Grat
Begleiter: ---
Bergführer: Jürg Nägeli
Zustieg: Pontresina - Tschiervahütte (2573 m.ü.M)
Zeitaufwand: 15 Stunden
Wetter:  
Besonderheiten:  
Bericht:
bernina1 Die Tour begann so richtig gemütlich. Jürg und ich beschlossen den Weg ins Val Rosegg mit der Pferdekutsche zu absolvieren. Das war eine richtig schöne Fahrt bis zum Hotel.
 
Dort ging's in gut 1 ½ Stunden zur neu ausgebauten Tschiervahütte.
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Pünktlich nach ca. 4 Stunden begann mein Kopf zu schmerzen, die ersten Anzeigen einer schlechten Akklimatisation. Erst am Schluss der Tour habe ich dann erfahren, dass sich mein Bergführer bei meinem Anblick schon ernsthafte Gedanken zum Gesundheitszustand machte.

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Trotzdem begann unser Aufstieg im Taschenlampenlicht kurz vor 03.30. Wir konnten über den recht steilen Gleschter zur Forcla Prievlus aufsteigen. PizBernina4
 
Mit meiner Körpergrösse hat auch wie in den meisten Bergen meine liebe Mühe mit dem Eisschrund, welchen ich mit Hilfe von zwei nachfolgenden Bergsteigern doch noch überwinden konnte. Eigentlich waren wir ganz gut auf der Forcla Prievlus angekommen, als ich stolperte, mir das linke Fussgelenk verdrehte und mir die Steigeisenspitzen in die linke Wade schlug.
Die Folge war ein Taucher im "Nirvana" aus welchem ich aber kurz darauf wieder in die Wirklichkeit zurück kam. Die Wade war steinhart und das Fussgelenkt schmerzte ziemlich übel. Nach einiger Zeit beschlossen wir trotzdem den Versuch zu wagen weiter zu gehen. Dabei war aber klar, dass es dann kein Zurück mehr gibt. PizBernina5

Die folgende Kletterstelle ging ganz gut und auch der Schmerz im Fussgelenk lies nach. Der Biancograt lag immer wieder im Nebel und es war ziemlich anstrengend. Es kam mir vor, als wolle er kein Ende nehmen. Es ging nur langsam voran und mein Atem hielt mich zusätzlich auf Trab.
 
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Am Piz Alv gab's eine kurze Rast. PizBernina7
 
Die Aussicht war beeindruckend. Die letzte Steilstufe lag vor uns.
 
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Da ich mein linkes Bein in der Zwischenzeit nur noch mit Mühe richtig belasten konnte, fand ich es an der Zeit mal richtig zu schauen, wie mein Bein den unter dem Stoff aussieht. Vielleicht hätte ich besser nicht geschaut. Aus zwei grösseren Löchern floss immer noch Blut und das ganze Bein war blutverklebt. Nachdem wir es notdürftig verbunden hatten und mir eine andere Berggängerin ihre Horrorgeschichte mit Steigeisenzacken im Bein erzählt hatte, ging's weiter. Über den Fels hinunter in die Scharte und dann in einer kurzen Kletterei auf den Gipfel. PizBernina8

In der Zwischenzeit waren 8 Stunden seit dem Start unserer Tour vergangen und Jürg wollte gleich weiter, damit er vor der Abseilstelle nach dem Spalgrat noch einige Seilschaften überholen konnte. Die Gipfelbilder haben etwas darunter gelitten, trotzdem war der Blick zurück beeindruckend.
 
In recht kurzer Zeit waren wir unten auf dem Schneefeld. Mir knurrte der Magen aber Jürg wollte noch weiter bis zur Marco e Rosa Hütte. In der Zwischenzeit war es 1300 Uhr und ich konnte schon fast nicht mehr gehen. Nur schon bei der geringsten Berührung des Beins kamen mir grad die Tränen. Sollten wir die Rega holen? Dummerweise waren wir auf der italienischen Seite des Bergs, was die Entscheidung auch beeinflusste.

Jürg meinte, dass der Abstieg noch 5 Stunden dauern wird, es könnten aber auch 7-8 Stunden daraus werden. Ich war am Anschlag. Trotzdem haben wir beschlossen weiter zu gehen. Falls wir den Heli wirklich brauchten, konnten wir das auch unterwegs entscheiden. Wir hatten es dann immerhin versucht. Das Schneefeld über die Bellavista-Terrasse schien unüberwindbar und wir waren einfach langsam. Immerhin ging es nachher nur noch runter.

Trotzdem war mein Puls immer noch am Limit und meine Atmung auf Hochtouren. Ich hatte zu lange nichts gegessen und die Muskel den gesunden Beins waren in der Zwischenzeit auch am Anschlag. Die Sonne erwärmte den Schnee und so versank ich auf dem Gletscher dreimal mit einem Bein so in einem Gletscherspalt, dass ich nicht mehr allein raus gekommen bin.

Wir entschieden uns für eine längere Pause und plötzlich ging es wieder besser. Vermutlich hatten die zusätzlichen Kohlehydrate und die geringere Höhe ihren Teil dazu beigetragen. Und dann endlich um 1825 Uhr waren wir in Morteratsch. 15 Stunden unterwegs und ich war einfach zufrieden und glücklich wieder unten zu sein. Lag also nur noch der Besuch im Medicalcenter vor mir, wo mir ein nicht wirklich begeisterter Arzt die Leviten verlass und mir erklärte, dass die Wunden nun nicht mehr genäht werden können. So habe ich auf verschiedenen Ebenen bleibende Erinnerungen an diese Tour.
© 2019 Christa und Marc Taverney-Rieser